Das Cistercienserleben heute:
Die kennzeichnenden Merkmale unseres Lebens sind
|
- Ein Leben mit Gott, in Gebet und Hingabe
- Ein Leben in Gemeinschaft,
- in gegenseitiger Liebe,
- aber auch in Einsamkeit mit Gott
|
Unser Leben ist ein intensives Leben
mit apostolischem Akzent als Dienst am Menschen und es bedarf immer wieder einer gesunden Zurückgezogenheit in der Klausur.
Unser Leben im Kloster ist ein einfaches Leben
wir wollen wie unsere Gründer mit dem armen Christus arm sein, durch den Verzicht auf unnötige Ansprüche den Blick für GOTT freihalten.
Unser Leben ist ein Leben schlichten christlichen Alltags,
in der Nachfolge des HERRN, und verlangt vom Einzelnen Einsatzbereitschaft und bewußte Teilnahme an seinem Kreuz. Wir suchen Christus in Demut, Armut, Gehorsam und Einfachheit.
Unser Leben - unser Tageablauf wird bestimmt durch den Wechsel von
Gebet, geistlicher Lesung, Meditation und Arbeit.
Unser Leben - unsere Spiritualität ist geprägt, nach dem Vorbild des Hl. Bernhard,
zu JESUS CHRISTUS und zu Gottesmutter MARIA, seiner Mutter. Wir suchen Christus in Friede und Freude im Heiligen Geist; dem Willen Gottes soll der Vorrang gegenüber dem Eigenwillen eingräumt werden.
Einfachheit
ist ein Wesensmerkmal des Cistercienserordens. Wir haben uns verpflichtet, bescheiden und anspruchslos zu leben. Dies gründet in der Lehre des Evangeliums und den Weisungen der Benediktusregel (RB). Durch den Verzicht auf unnötige Ansprüche halten wir uns den Blick frei für Gott.
Der einfache Mensch wird wesentlich, er bleibt nicht am Unwesentlichen hängen, sondern geht geradewegs im Glauben auf Gott zu. Er wird aufgeschlossener für seine Mitmenschen, weil er sich nicht unnötig mit eigenen Ansprüchen beschäftigt. Anspruchslosigkeit in den menschlichen Bedürfnissen führt zur Einfachheit des Herzens. So ist letztlich die Anleitung der RB zur Einfachheit und Anspruchslosigkeit zugleich eine Hinführung zu größerer Liebe.
Gebet - Lesung - Arbeit ("ora et labora")
stellen die 3 Grundsäulen unseres täglichen klösterlichen Lebens dar und gehen organisch ineinander über für den kontemplativen Menschen.
Gemüt, Geist und Körper werden dabei gleichwertig im Dienste Gottes eingesetzt. Nichts wird vereinseitigt und nichts wird übertrieben. So gibt es - nach Absicht des Heiligen Bernhard - keinen Müßiggang, keinen Leerlauf im klösterlichen Alltag. Alles kann zwanglos zur Ehre Gottes geschehen:
Gebet
Wir leben zwar hinter Klostermauern, aber wir kennen die Sorgen und Nöte, welche das Leben mit sich bringt.
Aus unserer Tagesordnung können Sie sehen, dass das Beten unserer Gemeinschaft bewusst über den ganzen Tag verteilt wird.
Sieben mal kommen wir Cistercienserinnen von Waldsassen zusammen, um gemeinsam unser Chorgebet im Cisterciensischen Choral (deutsch bzw. lateinisch) zu singen. In den Psalmen und den Hymnen wird alles, was zum Menschen gehört reflektiert und vor Gott getragen. Teilweise sind diese Texte und Melodien über 3000 Jahre alt, aber doch immer noch aktuell. Das Chorgebet hilft den Menschen zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Im Psalmengebet wird kein Element menschlichen Lebens ausgeschlossen, es spricht von Krankheit und Not ebenso wie von Freude und Zuversicht, es kennt die Klage des Unglücklichen ebenso wie den Dank dessen, der großes Glück erfahren durfte.
Der Mittelpunkt und Höhepunkt jeden Tages ist die tägliche Feier des Opfertodes und der Auferstehung Christi in der Eucharistiefeier. Daraus schöpfen wir für unser geistliches Leben Sinn, Kraft und Richtung. Die Kraft zum täglichen Gemeinschaftsgebet wurzelt im persönlichen Gebet der geistlichen Lesung und Meditation der Einzelnen.
Lesung
Wir bekennen den absoluten Vorrang Gottes, und wir möchten Gott in jedem Menschen und in jedem Ereignis erkennen. Regelmäßige Lesung und Betrachtung der Hl. Schrift verhilft unserem Geist, Gott zur Mitte unseres Daseins zu machen. Wer aus dem Glauben Gottes leben will, muss das Wort Gottes kennen. Wir lesen die Hl. Schriften, die Propheten, Kirchenväter und gläubige Schriftsteller unserer Tage.
Nach dem Hl. Bernhard öffnet sich der Suchende dem Wort Gottes das seine geistigen Kräfte und Fähigkeiten belebt. So wird das Wort des Herrn in die Stunden der Arbeit mitgenommen, wo es als innere Erleuchtung und als Anstoß zum Guten weiterwirkt.
Arbeit
Neben dem Gebet und Lesung ist unser tägliches Leben geprägt von der Arbeit, die wir als Notwendigkeit betrachten. Jede unserer Mitschwestern engagiert sich im Dienste der Gemeinschaft, nach ihren Kräften, Gaben und ihrer Ausbildung.
Aber es ist auch eine unabdingbare Weisung Benedikts, zu jedem Auftrag bereit zu sein.
So wurde 1995 im Kloster Waldsassen ein Meisterbetrieb mit Paramentenstickerei neu belebt. Mitschwestern widmen sich dem Unterricht an der Mädchenschule Waldsassen, einer staatlich anerkannten 6-stufigen Realschule mit 400 Schülerinnen.
Weitere Einsatzgebiete sind die Stiftsbibliothek, Haus, Pforte, Garten, Gäste, Seelsorge, Verwaltung, Umweltbildungseinrichtung und Kultur- u. Begegnungszentrum, die sich im Aufbau befinden.
Wir möchten die Arbeit in der Schöpfung Gottes wertschätzen, denn sie trägt bei zur Echtheit eines Lebens der beständigen Gottsuche; gleichzeitig verhilft unsere Arbeit zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit und zur Sicherstellung des Unterhalts des Klosters; darüber hinaus ermöglicht sie gelebte Nächstenliebe.
Gemeinschaft und Einsamkeit
Das Beisammensein der Gemeinschaft beim Chorgebet, bei Tisch und bei den übrigen täglichen Begegnungen stärkt den Geist der Gemeinsamkeit. Zugleich schaffen diese Zeiten jene Atmosphäre der Ruhe, die den Menschen ganz zu sich selbst kommen lässt. Tagsüber soll nur gesprochen werden, was um der Arbeit willen nötig ist. Abends trifft man sich zur Rekreation, eine Zeit des Austausches untereinander in frohem, lockerem Beisammensein.
Die Gemeinschaft trifft sich weiter, um zu beraten und Beschlüsse zu fassen. Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht (RB 3,1).
Es gibt in unserem Leben Zeiten der Einsamkeit mit Gott für die ganz persönliche innere Lebensgestaltung. Je vorbehaltsloser die Einzelne in dieser Einsamkeit mit Gott steht, desto fruchtbarer wird dann das Gemeinschaftsleben.
Klausur und Weltverantwortung
Es gibt geistigen und materiellen Hunger in dieser Welt. Gottesferne und Sinnlosigkeit sind für viele Menschen quälende Fragen ihres Daseins. Deshalb erfüllt der Lebensberuf "ausschließlich für Gott da zu sein", eine der vielen Aufgaben der Kirche im Dienste der Menschen.
Schon in frühen Zeiten suchten viele Menschen, die in körperlicher oder geistiger Not waren, die Klöster in Einöden auf. Die Abgeschlossenheit des Klosters gleicht einem tiefen Brunnen. In ihm sammelt sich das "lebendige Wasser" (von dem JESUS am Jakobsbrunnen zur Samariterin sprach). Menschen, die sich auf einer Durststrecke befinden, können bei uns "Tage der Stille" finden oder "Kloster auf Zeit" leben. Hier können die Menschen neue Kraft zum Durchhalten schöpfen.
Wir Cistercienserinnen bieten Menschen, die sich Gott nahe wissen, die ihn ahnend suchen aber auch für die, welche ihn noch nie gehört haben, die Möglichkeit, in unserem Kloster eine Begegnung mit Gott zu finden und an unserem klösterlichen Leben teilzunehmen. So wollen auch wir uns als Orden nicht zurückziehen, sondern bei den Menschen sein, ihnen persönlich begegnen und seelsorgerisch tätig sein.
Einsatzbereitschaft im Dienste Gottes
Im modernen Arbeitsleben hat man sich daran gewöhnt, den Sinn des Lebens von seiner Nützlichkeit her zu beurteilen. Das monastische Leben aber geht eher den umgekehrten Weg, "Nicht-Verzwecktes" gilt hier als Ziel:
Im klösterlichen Bereich, wo die Arbeit aus Liebe zu Gott verrichtet wird, wandeln sich vergängliche Arbeitsleistungen zum Zeugnis des Glaubens. Im Kloster geht es letztlich nicht um den materiellen Wert der geleisteten Arbeit, sondern um die Gesinnung der Selbsthingabe, in der sie vollzogen wird.
Sich im Dienste Gottes gebrauchen und verbrauchen zu lassen, das ist nur möglich aus Liebe zu Gott und zu den Menschen. Dabei gewinnt die Ordensfrau ihre persönliche Freiheit in der Hingabe an Gottes Willen. So wird das Kloster als ein Ort der Freiheit, wie er sonst wohl kaum auf Erden zu finden ist.
Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes (RB, Prolog 45-49).
Kontemplation und Kreuzesnachfolge
Das Durchdrungensein von der beständigen Gegenwart Gottes ermöglicht uns eine kontemplative Orientierung unserer Ordenslebens.
In Zurückgezogenheit und ohne Reizüberflutung nehmen wir täglich Anteil an den Nöten und Sorgen der Welt und jener, denen wir verbunden sind und beten stellvertretend auch für diese.
Wir wollen die Welt nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch mit dem Herzen wahrnehmen. Im Willen zur Nachfolge Christi sind unsere Tätigkeiten im Dienste des Nächsten geprägt von Glaube, Hoffnung und Liebe.
Christusfrömmigkeit
Ein christliches Leben, vor allem ein klösterliches Leben, kann nur eingegangen werden im Glauben an einen persönlichen Gott. Wer zum Ordensstand berufen ist, erfährt diesen Liebesanspruch Gottes als einen ausschließlichen. Er erkennt in Christus das Du seines Lebens, an dem sich die uneigennützige Liebe seines Herzens zu entfalten mag. Das Leben im Kloster gründet daher für die klösterliche Frau in einer starken persönlichen Bindung an Jesus Christus. Ihm will sie in lebenslänglicher jungfräulicher Liebe und Treue gehören.
Marienfrömmigkeit
Maria wird im Cistercienserorden schon immer in besonderer Weise verehrt. Durch Ihren großen Glauben und Ihre restlose Hingabe an den HERRN ist sie, die Gottesmutter, das Urbild der Kirche.
Täglich beschließen wir den Tag mit dem feierlichen "Salve Regina" an Maria. Alle Cistercienserkirchen sind Maria geweiht für die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommene Mutter.
Der Konvent ist in besonderer Weise der Schmerzensmutter die auch Patronin von Waldsassen ist verbunden. Denn Sie erschien mit dem Evangelisten Johannes dem Gründerprior Gerwig und zeigte ihm den Gründungsort des heutigen Klosters Waldsassen .
Ihr vertrauen wir, zu ihr nehmen wir in unseren Sorgen und Anliegen unsere Zuflucht als mächtigste Fürsprecherin bei Jesus ihrem Sohn.

Der Konvent von Waldsassen
weiter zum Tagesplan unserer Schwestern >>
|