Begriffe, Stichwörter zu Orden und Kloster



Abtei
ist ein Kloster, dem ein Abt / Äbtissin vorsteht.
Abt/Äbtissin

wird von der Klostergemeinschaft demokratisch in geheimer Wahl zum Vorsteher/zur Vorsteherin des Klosters gewählt und ist geistlicher Leiter / Leiterin der Gemeinschaft.
Das Wort "Abt" entstand aus dem aramäischen "aba" bzw. griechisch+ lateinisch abbas = Vater.

Choral

auch "cantus choralis" genannt; ein einstimmiger, ruhiger, meditativer Gesang, vorgetragen der von der Chorgemeinschaft oder von einzelnen Vorsängern. Die Tonfolge ist entweder melismatisch (mehrere Töne pro Textsilbe) oder syllabisch (ein Ton pro Textsilbe). Die verwendeten Texte stammen u.a. von Psalmen, aus der Bibel, Hymnen.
"Gregorianischer Choral"
Mit diesem Begriff in der Geschichte der Kirchenmusik läßt sich der Einfluß von Papst Gregor dem Großen (+ 604) auf die Gestaltung der liturgischen Kirchenmusik erkennen.

Chorgebet

das offizielle Gebet der Kirche ("Brevier"); es wird siebenmal am Tag von der Gemeinschaft gebetet.

Habit

das Ordenskleid. Man empfängt es beim Ritus der Einkleidung. Das Ordensgewand besteht aus mehreren Teilen: Tunika, Skapulier und Kukulle.

Kapitelsaal

nach dem Oratorium der im Kloster zweitwichtigste sakrale Raum, in dem sich der Konvent, d. h. Abt und Mönche bzw. Äbtissin und Nonnen zu bestimmten Zeiten und zu verschiedenen Anlässen versammeln. Im Kapitelsaal tagt das sogenannte Konventkapitel, wenn Wichtiges, z. B. geistliche und wirtschaftliche Belange, miteinander zu beraten und zu besprechen sind oder wenn über eine wichtige Angelegenheit mit Ja oder Nein abzustimmen gilt, wie z. B. die Zulassung einer Novizin, eines Novizen zur einfachen oder feierlichen Profeß.

In der Regel werden im Kapitelsaal auch die Einkleidungen von Postulanten bzw. Postulantinnen vorgenommen, in ihm werden Versprechen, die zeitliche oder einfache Profeß abgelegt. Der Abt/die Äbtissin halten im Kapitelsaal Ansprachen an die Gemeinschaft, weil die Zisterzienser von Anfang ihre Klöster als Schulen des geistlichen Einsatzes, der Frömmigkeit, der gebührenden Ehrfurcht gegenüber Gott und den Menschen, der Gottes- und Menschenliebe, der Tugenden, der Demut und der klösterlichen Disziplin sahen. Im Kapitelsaal wird jeweils auch der neue Abt, die neue Äbtissin eines Klosters gewählt. Am Gründonnerstag findet dort auch der Ritus der Fusswaschung statt.

Klausur

ist der von der Öffentlichkeit abgeschiedene Wohnbereich der Mönche bzw. Nonnen. Das Wort Klausur wurde, ebenso wie das Wort "Kloster", abgeleitet aus dem lateinischen "claustrum" = Riegel, Schloss.

Kreuzgang

eine Art Rundgang im Erdgeschoss des quadratisch bzw. rechteckig angelegten Klosters.

Kukulle

das Gewand, das die Mönche/Nonnen zum Chorgebet, bei der Eucharistiefeier oder bei sonstigen liturgischen Handlungen oder offiziellen Anlässen tragen.

Mönch/Nonne

eine Person, die sich durch den Eintritt in ein Kloster ihrer Wahl in der Profeß durch öffentliche Gelübde Gott geweiht hat, somit Mitglied eines monastischen Ordens ist und die in der Regel, wenn keine anderweiten Aufträge an sie ergangen sind, in dem betreffenden Kloster lebt.

Novize/Novizin

sind Personen, die mit dem Tag ihrer Einkleidung, d. h. dem Erhalt des Ordenskleides und, wenn es die Konstitutionen vorsehen, einen neuen Vornamen als weiteres Zeichen ihres neuen Lebensabschnittes bekommen, das Ordens- und Klosterleben beginnen. Während des Noviziates werden die Novizen durch geistliche Bildung weitergebildet, damit sie sich über ihre endgültige Berufsentscheidung klarer werden und sich auf die Ablegung der zeitlichen Gelübde vorbereiten können.

In der Regel dauert das Noviziat, eine Art "Klosterlehrjahr", ein Jahr, das mit der einfachen Profeß schliesst. Während des Noviziates steht es der Novizin bzw. dem Novizen frei, das Kloster wieder freiwillig und ohne Verpflichtung zu verlassen, falls die bzw. der Betreffende zur Erkenntnis gekommen ist, daß der eingeschlagene Weg nicht ihr bzw. sein Lebensweg ist und erfordert noch keine kirchenrechtliche Dispens, weil die Novizen noch durch keine Gelübde gebunden sind.

Prior/in

ist der bzw. die Stellvertreter/in des Abtes/der Äbtissin in einer Abtei. Der Prior bzw. die Priorin unterstützt den Abt bzw. die Äbtissin in der Verantwortung für die Gemeinschaft und hat dafür Sorge zu tragen, dass die klösterliche Lebensweise im Kloster eingehalten wird und dass die Anweisungen des Abtes bzw. der Äbtissin befolgt werden.
In einem Kloster, das nicht Abtei ist, d.h. kein Abt / Äbtissin vorsteht, ist der/die Prior/Priorin der "Obere". Man spricht dann auch von einem "Priorat".

Profeß

Durch die Profeß bringt der Mönch bzw. die Nonne in freier Hingabe die Weihe, die er bzw. sie im Sakrament der Taufe und Firmung empfangen hat, vollkommener zum Ausdruck. Der Ritus der zeitlichen Profeß findet in der Regel, wie oben bereits vermerkt, im Kapitelsaal des Klosters statt. Die Ablegung der Profeß wird in einer Urkunde festgehalten, die vom Professen / von der Professin und von jenem Oberen, der die Profeß entgegennimmt, zu unterzeichnen und als Dokument im Klosterarchiv aufzubewahren ist.

Oblate / Oblatin

Bezeichnung für Erwachsene, die sich einem Kloster durch Oblation, einem widerruflichen Gehorsamsversprechen, angeschlossen haben. Wie werde ich Oblate / Oblatin von Waldsassen?

Übrigens, nicht zu verwechseln mit der Oblate oder Hostie [oblata (hostia) = dargebrachtes (Abendmahlsbrot)], papierdünnes Gebäck oder Gebäckunterlage (z.B. für Lebkuchen, Makronen aus Weizen- oder Maismehlteig). Oblaten werden in fast allen christlichen Kirchen als Hostien verwendet.

Refektorium

ist der Speisesaal des Klosters (lat.: reficere= wiederherstellen, kräftigen). Ausstrahlung und Würde des Raumes schaffen die Voraussetzungen für die Tischgemeinschaft, auf die der hl. Bernhard besonderen Wert legt.

Skapulier

ist eine Art "Überkleid", "Schulterkleid", ein Überwurf über Brust und Rücken und kam früher gleichsam einer Art Schürze zum Schutz für den Habit gleich.

Schleier

die Kopfbedeckung der Nonnen.

Stundenbücher

sind die offiziellen Gebetsbücher der Kirche für die Advents- und Weihnachtszeit, für die Fasten- und Osterzeit und für die Zeit im Jahreskreis, aus denen beim Chorgebet gesungen und gebetet wird.

Zingulum

ist bei den Zisterziensern und Zisterzienserinnen der allgemeinen Observanz eine Gürtelbinde für Skapulier und Habit. Es ist auch eine ständige Erinnerung für den Träger bzw. für die Trägerin an die Worte des hl. Paulus: "14 Seid ... standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an 15 und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. 16 Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. 17 Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes" (Eph 6,14-17).

 

(Erstellt in Zusammenarbeit mit Pfarrer Fuchs, der Pfarrei Waldsassen und dem Kloster Waldsassen.)


  zur Startseite (HOME) Stand: 02.04.2005