Geschichte des Zisterzienserordens


1098

Entstehung des Cistercienserordens
(OCist, SOCist =Sacer Ordo Cisterciensis)


Benedikt von Nursia

Auf der Suche nach dem "Alten" entstand ein "Neuer Orden":

Im burgundischen Cîteaux (lateinisch: Cistercium) setzten sich 21 Benediktiner unter der Führung von Abt Robert von Molesme als Ziel, ihre Ordensgemeinschaft zu erneuern. Man hatte Heimweh nach den "reinen" Quellen des christlichen Mönchstum, streng nach den ursprünglichen Ordensregeln des Benedikt von Nursia (um 480-547), dem "Vater des Abendlandes", zu leben, welche dieser im Jahre 540 für seine Mönche aufgestellt hatte.

 


Dormitorium von Molesme


Benediktinerkloster von Molesme








Citeaux

Warum es so kam:

Abt Robert von Molesme, der keineswegs mit der Idee einer neuen Ordensgründung nach Citeaux gegangen war, hatte sich schon in früheren Jahren als einfacher Mönch, Prior und Abt durch Asketentum und strenge Regelauslegung eine gewisse Reputation erworben. Beeinflusst von der Reform Clunys, hatte er als geistlicher Führer einer Eremitengemeinschaft des Collan-Waldes zuvor im Jahr 1075 in Molesme ein Kloster eingerichtet, das rasch an Bedeutung zunahm und von den Mächtigen der Region durch Schenkungen gefördert wurde. Der damit einhergehende Wohlstand führte aber zu einer Aufweichung des geregelten Ordenslebens; also mißlang auch in Molesme die anfangs erhoffte Erneuerung des Mönchstums.

Deshalb fassten der fast 80-jährige Abt Robert und seine gleichgesinnten Mönche den Entschluss in Citeaux ein neues Kloster zu errichten, in dem sie die Regel des hl. Benedikt in ihrer ganzen Strenge beachten wollten. Nachdem sie vom Erzbischof Hugo von Lyon, dem Legaten des Papstes die Erlaubnis hierzu erbeten hatten, begannen sie 1098 mit der Errichtung des "Novum Monasterium".
Abt Robert und seine Gleichgesinnten waren voller Eifer, dieses Ideal in die Tat umzusetzen:
In Cîteaux wollten sie Gott in Gebet und Abgeschiedenheit suchen. Sie wollten Armut und Härte, Handarbeit, wie in der Regel des hl. Benedikt vorgesehen. Ihr Kloster sollte eine "Schule Christi", eine "Schule der Liebe" sein. Sie wollten in Gebet und Schweigen auf das Wort Gottes hören, ihn kennen- und lieben lernen.

Letztlich ausgelöst durch den Einfluss der "Ecclesia semper reformanda" (der sich ständig erneuernden Kirche) entstand der neue Zisterzienserorden, aus der immer wieder neuen Suche des Gleichgewichtes zwischen

-Arbeit und Gebet
-Seelsorge und Klosterleben
-Gastfreundschaft und Askese
-Fürsorge und Herrschaft

Das erste Kloster in Cîteaux litt aber große Not; dreimal musste man den Ort wechseln, weil die Lebensbedingungen im ungesunden Sumpfgebiet nicht ausreichten.

1100

 

 

Anerkennung des Ordens durch Papst Paschalis II

P. Robert selbst konnte am Aufbau von Cîteaux leider nur noch indirekt teilhaben, denn die in Molesme zurückgebliebenen Mönche hatten bereits ein Jahr später beim Papst die Rückkehr ihres Abtes eingeklagt. P. Robert übte Gehorsam, nahm sein Amt in Molesme wieder auf und verließ diese Position auch nicht mehr bis zu seinem Tod im Jahre 1111.

Die 3 Gründerväter:

St. Robert von Molesme
St. P. Alberich
St. Stephan Harding

  Daraufhin wird der bisherige Prior, P. Alberich, der 2. Abt von Cîteaux . Er war die Seele der Reformbewegung und gab der Gemeinschaft Richtlinien. Auch wurden von ihm Vorschriften festgelegt bezüglich Kleidung, Nahrung und Arbeit. P. Alberich blieb im Amt des Abtes zu seinem Tod im Jahre 1108.
1108 Unter dem 3. Abt von Citeaux, dem Engländer P. Stephan Harding, wurde die erste Verfassungsurkunde des Ordens formuliert mit dem ungewöhnlichen Titel, zugleich aber charakteristisch für die ersten Zisterzienser: "Charta caritatis", die "Karte der Liebe". Der wichtigste Punkt der Ordensverfassung lautet:

wir wollen leben in der einen Liebe, unter der einen Liebe unter der einen Regel, und nach den gleichen Sitten

Auch regelte die Charta caritatis die einheitliche Organisation aller Klöster des Ordens:

-Einheit durch Gleichheit der Lebensweise
-Gleichheit der monastischen und liturgischen Ordnung
-Das Filiationsgesetz
-Die Klöster sollten alljährlich von dem Ordensgründer aufgesucht werden
-alle Zisterzienseräbte sollten einmal jährlich im Kloster von Cîteaux zusammenkommen zur Generalkapitel, bei der Erkenntnisse und Methoden ausgetauscht und verbreitet werden können.

Bis heute gibt die Charta caritatis den Zisterziensern ihr Struktur. Darüber hinaus diente das jährliche Generalkapitel als Vorbild für den modernen Parlamentarismus und inspirierte auch die "Magna Charta" (1215) in England.

1113-1115

 

Sehr bald kommt es zur Neugründung der bedeutsamen 4 "Primarabteien" (Erstabteien) durch das Mutterkloster Cîteaux, von denen alle weiteren Tochtergründungen ausgingen:

1113 La Ferte
1114 Pontigny
1115 Clairvaux
1115 Morimond


Gründerabt der Primarabtei Clairvaux ist der erst 25-jährige Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux wurde 1090 als Nachkomme einer burgundischen Adelsfamilie geboren und trat 1113 als Novize in das Kloster von Cîteaux ein.
Durch seinen Eintritt gelangte der Cistercienserorden zu unwahrscheinlicher Blüte, weshalb der hl. Bernhard zwar nicht der Ordensgründer, wohl aber der berühmteste männliche Heilige des Ordens ist. Unter ihm kommt es zu einer ungeahnt raschen Ausbreitung der neuen Reformbewegung, deren Ziel es war, das ora et labora (Bete und Arbeite) aus den Regeln des heiligen Mönchsvaters Benedikt in seiner ursprünglichen Strenge zu vollziehen.
Die von Ihm aufgestellten Regeln, die "Benediktregel" bestimmt die drei Grundpfeiler des täglichen Lebens, nach dessen Regeln die Cistercienser heute noch leben:

Opus Dei (Gottesdienst, Chorgebet)
Lectio Divina (geistliche Lesung, Betrachtung, Theologiestudium)
Labor Manuum (Handarbeit)


Trois Fontaines

Die Primarabtei Clairvaux konnte 1118 ihrerseits die erste Tochtergründung, Trois-Fontaines ins Leben rufen; daraufhin schlossen sich das Mutterkloster Citaux und die vier Primarabteien zu einem Verband zusammen.

Nach dem Filiationsprinzip gründet jedes Kloster selbständige Tochterklöster. Auf diese Weise gehört jedes Kloster zu einer der fünf Linien, die von Cîteaux und den Primarabteien ausgehen. Bis heute wird der Ordensverband nicht zentral gelenkt, wie etwa bei Cluniazensern.

Tirschenreuter
Seenplatte

Die Mönche suchten die Handarbeit aufzuwerten. Das wirkte sich in verschiedenen Bereichen aus:
Sie führten als erste die Dreifelderwirtschaft ein, bedienten sich bereits des Räderpfluges, entwickelten neue Techniken der Wassernutzung, waren tüchtig in der Fischzucht - die Klöster lagen ja an Flüssen, und die vielen Mönche ernährten sich fleischlos.
So wirkte der Orden nicht nur in geistlicher Hinsicht, sondern auch in der Entwicklung von Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Architektur. Sie waren tiefgeistige Menschen und gleichzeitig Realisten und Könner, die eine ganze Zeitepoche mit formten und Ihrer Zeit voraus waren.


Morimond

Im deutschen und osteuropäischen Sprachraum war die Primarabtei Morimond Ursprung fast aller Tochtergründungen.
Das erste Zisterzienserklosters in Deutschland, Kamp am Niederrhein wird 1123 durch Morimond gegründet.

1125


erstes Nonnenkloster:
Le Tart

Entstehung des ersten Nonnenklosters in Le Tart, unweit von Citeaux unter Mitwirkung von P. Stephan Harding.
Dieses Kloster besteht noch heute. Die dort lebenden Nonnen sind sog. Bernhardinerinnen, die dem Cistercienserorden heute angegliedert sind.

In den Frauenklöstern lebte man unter der Obhut eines benachbarten Männerklosters. Die offizielle Aufnahme in den Ordensverband geschah aber erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts.

1133 Entstehung des Klosters Waldsassen
1153 Als Bernhard von Clairvaux stirbt, hat er an die 70 Klöster gegründet; durch seinen Einfluss bestanden im gesamten Abendland bereits 344 Zisterzienserklöster. Abt Bernhards Rat war überall gefragt, und so soll er beim Bau der einen oder anderen Kirche mitgetan haben. Durch den Eintritt des hl. Bernhard von Clairvaux erlangt der Orden europäische Bedeutung und fand auch in Deutschland große Verbreitung.
Die frühen Cistercienser, insbesondere Bernhard, entdeckten den nahen, menschlichen, liebenden Gott wieder, wie es in der Bibel grundgelegt ist. Vorher, in der Zeit der Romanik, war die Größe, Erhabenheit und Unnahbarkeit Gottes betont worden, wurde Er doch als König und Herrscher dargestellt. Nun wurde den Menschen neu gezeigt: wir sind von Ihm geliebt, daraus erwächst uns eine große Würde. Durch die neuen Zisterzienser-Niederlassungen entwickelte sich bald eine derartige Dynamik, dass die gesamte Kirche in Mitteleuropa erfasst wurde.
  Durch die französische Revolution und die Säkularisation wurden viele Klöster aufgehoben oder vom Orden getrennt. Dennoch sammelte sich der Zisterzienserorden zu neuer geistiger Kraft und ist heute in der ganzen Welt verbreitet. Alle verbleibenden Zisterzienserklöster können bis heute auf eine lange, ununterbrochene Tradition zurückblicken.
  Die Consuetudines (= Gewohnheiten) ergänzen die Benediktregel. Sie berücksichtigen die Beschlüsse der Generalkapitel, enthalten Vorschriften für den Gottesdienst und die Bräuche für Mönche und Laienbrüder.
  Die rechtliche Organisation des Ordens beruhte insbesondere auf dem jährlichen Generalkapitel in Citeaux, bei jeder Abt zu erscheinen hatte und bei dem neueste Erkenntnisse und Methoden untereinander augetauscht wurden. Ein weiteres Element sind die jährlichen Visitationen durch den "Vaterabt", das ist der Abt, von dem aus die Neugründung erfolgt war.
Gegenwart

Citeaux - Erbe, Dank und Verpflichtung

So wie die ersten Zisterzienser davon überzeugt waren, dass die Regeln des hl. Benedikt überzeitliche Wahrheiten enthalten, bleibt es auch heute Aufgabe der Zisterzienserklöster, sich auf das Wesentliche zu begrenzen und Zeitgebundenes abzulegen. Der Schwerpunkt der Zisterziensertätigkeit liegt daher auf dem Gebiet der Seelsorge und des Unterrichts.

Deshalb glauben die Zisterzienser heute wie damals, dass ihr Leben in Armut neuen Reichtum erschließt, dass gerade heute die Einsamkeit ein Schatz sein kann, wie sie die Freiheit und Unabhängigkeit des Geistes bewahren können.

Dr. teol. Peter Pfister formuliert, wie es treffender nicht sein könnte:

"Wer heute ein Zisterzienserkloster besucht, sollte etwas von dem Geist des Friedens, der Stille und der Einfachheit zu spüren bekommen. Damit ist nicht eine sentimentale Romantik gemeint. Diese kann vielleicht von einer Klosterruine besser vermittelt werden als von einem lebendigen Kloster, in dem das gesunde und realistische Pulsieren der Arbeit gar nicht den Eindruck verträumter Beschaulichkeit macht. Zisterziensermönche und -nonnen wollen keine Lebenskünstler sein, die sich im Kloster vor den Belastungen und den Problemen der Welt verstecken. Viel mehr wollen Sie durch ihr Gebet Gott verherrlichen, durch ihre Arbeit den Mitmenschen und dem Reich Gottes dienen und durch ihr Gemeinschaftsleben ein Zeugnis für die Liebe Christi geben."




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